Am 25. September fand unser diesjähriger Digitaler Fachtag statt. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen und Chancen der heutigen Ausbildung sowie die Frage, wie Betriebe und Ausbildungsverantwortliche den Erwartungen und Bedürfnissen der jungen Generation begegnen können.
Nach einem Grußwort von Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und einer Keynote des Gen-Z-Experten Felix Behm diskutierten Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen der beruflichen Bildung über aktuelle Entwicklungen und mögliche Lösungsansätze. Moderiert wurde die Expertenrunde von Martin Hoffmann.
An der Gesprächsrunde beteiligten sich:
- Miriam Schöpp, Ausbildungsexpertin beim Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA)
- Christiane Andreae, Berufsschullehrerin und im Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg (BLV BW) aktiv
- Alina Neubert, Ausbildungsbegleiterin
- Felix Behm, Gen-Z-Experte
- Isabel Weindorf, Personalleiterin der Schnaithmann Maschinenbau GmbH
- David Möck, Maurergeselle und ehemaliger Elektrotechnikstudent
Durchschnittlich rund 80 Teilnehmende verfolgten den Digitalen Fachtag.
Ausbildung im Wandel: Chancen erkennen und junge Menschen stärken
In ihrem Grußwort betonte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, dass sich die Werte und Erwartungen junger Menschen im Laufe der Zeit verändert hätten. Gleichzeitig böten insbesondere die Kreativität und das digitale Know-how der heutigen Jugend große Chancen für die berufliche Ausbildung.
Um Ausbildung attraktiv und Lernprozesse effektiver zu gestalten, seien digitalisierte Angebote wie E-Learning oder virtuelle Lernformate wichtige Bausteine. Bei Konflikten während der Ausbildung gelte es zudem, die individuellen Lebensumstände, persönlichen Situationen und Ziele der Auszubildenden zu berücksichtigen. Denn jeder Ausbildungsabbruch ohne Anschlussperspektive sei einer zu viel.
Besonders hob die Ministerin die wichtige Vorbildfunktion der Ausbildungsverantwortlichen hervor. Sie leisten mit ihrer Arbeit einen entscheidenden Beitrag, indem sie jungen Menschen Orientierung geben und sie in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung unterstützen.
Generation Z verstehen: Was junge Menschen heute motiviert
In seiner Keynote beleuchtete Gen-Z-Experte Felix Behm die veränderten Rahmenbedingungen auf dem Ausbildungsmarkt. Angesichts des zunehmenden Bewerbermangels sei es für Betriebe wichtiger denn je, junge Menschen gezielt anzusprechen, ihre Lebenswelt zu verstehen und sie für eine Ausbildung zu gewinnen.
Diese Lebenswelt werde stark von sozialen Medien geprägt. Likes, kurze Videos und die unmittelbare Rückmeldung durch andere beeinflussten die Kommunikation, das Lernverhalten und die Erwartungen der jungen Generation. Dies wirke sich auch auf den Ausbildungsalltag aus.
Gleichzeitig wünschten sich junge Menschen sinnvolle Aufgaben, Eigenverantwortung und die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Betriebe sollten ihnen daher frühzeitig Verantwortung übertragen und ihre Fähigkeiten gezielt nutzen. Ein Beispiel hierfür sei die Erstellung von Tutorials durch Auszubildende, die damit ihr Wissen weitergeben und zugleich ihre digitalen Kompetenzen einbringen können.
Ausbildung aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Erwartungen, Herausforderungen und Lösungen
Im anschließenden Expertentalk wurden die Herausforderungen der Ausbildung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Wertschätzung und Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg
Maurergeselle David Möck betonte, wie wichtig Wertschätzung für die Motivation von Auszubildenden sei. Junge Menschen müssten während ihrer Ausbildung angeleitet und begleitet werden. Entscheidend sei dabei auch eine Kommunikation auf Augenhöhe, die die Sprache und Lebenswelt der Jugendlichen berücksichtigt.
Berufsschullehrerin Christiane Andreae verwies auf die zunehmende Heterogenität der Berufsschulklassen. Unterschiedliche Bildungsbiografien, persönliche Herausforderungen und individuelle Voraussetzungen stellten Lehrkräfte und Ausbildungsbetriebe vor wachsende Anforderungen. Auch die Zahl junger Menschen in Vorbereitungsklassen oder ohne Schulabschluss spiele dabei eine wichtige Rolle.
Betriebe brauchen Unterstützung und starke Netzwerke
Isabel Weindorf, Personalleiterin eines Maschinenbauunternehmens, machte deutlich, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen Unterstützung beim Preboarding, Onboarding und Offboarding ihrer Auszubildenden benötigen. Diese begleitenden Aufgaben nähmen neben der eigentlichen fachlichen Ausbildung immer mehr Raum ein.
Um Betriebe hierbei zu entlasten und Auszubildende bestmöglich zu unterstützen, brauche es eine engere Vernetzung der Partner der dualen Ausbildung sowie einen kontinuierlichen Austausch mit den jungen Menschen selbst.
Auch Ausbildungsbegleiterin Alina Neubert unterstrich die Bedeutung gegenseitiger Erwartungen. Ein erfolgreiches Ausbildungsverhältnis setze voraus, dass Betriebe und Auszubildende miteinander sprechen, Verständnis füreinander entwickeln und gemeinsame Ziele verfolgen. Junge Menschen wollten nicht nur Aufgaben erledigen, sondern auch deren Sinn erkennen und Verantwortung übernehmen.
Mehr Verantwortung, mehr Sinn: Was Auszubildende wirklich brauchen
Ausbildungsexpertin Miriam Schöpp vom KOFA verwies auf bislang ungenutzte Potenziale bei der Fachkräftesicherung. Betriebe seien gefordert, Auszubildenden Möglichkeiten zur Selbstwirksamkeit zu bieten und ihnen zu vermitteln, welchen Beitrag sie mit ihrer Arbeit leisten.
Die Frage nach dem „Warum“ spiele dabei eine zentrale Rolle. Junge Menschen wollten verstehen, weshalb bestimmte Aufgaben wichtig sind, welche Werte im Betrieb gelebt werden und welche beruflichen Perspektiven sich ihnen eröffnen. Dafür müssten Erwartungen, Ziele und Werte auf beiden Seiten geklärt und miteinander in Einklang gebracht werden.
Felix Behm ergänzte, dass die Generation Z angesichts einer stetig wachsenden Informationsflut gelernt habe, Möglichkeiten und Entscheidungen bewusst abzuwägen. Die Frage nach dem persönlichen Nutzen beeinflusse daher auch die Haltung gegenüber Ausbildung und Beruf.
Zugleich habe sich durch soziale Medien und digitale Kommunikationsformen die Aufmerksamkeitsspanne verändert. Dies stehe teilweise im Gegensatz zu den Anforderungen einer mehrjährigen Berufsausbildung, die Ausdauer, Verlässlichkeit und kontinuierliches Lernen voraussetze. Umso wichtiger seien Motivation, klare Kommunikation und ein Ausbildungsumfeld, das junge Menschen aktiv einbindet.
Ausbildung zukunftsfähig gestalten – gemeinsam neue Wege gehen
Zum Abschluss fasste Moderator Martin Hoffmann die zentralen Erkenntnisse des Fachtags zusammen: Die berufliche Ausbildung steht vor wichtigen Veränderungen. Betriebe und Auszubildende müssen stärker aufeinander zugehen, gegenseitige Erwartungen klären und gemeinsame Ziele entwickeln.
Eine attraktive Ausbildung bietet jungen Menschen nicht nur fachliche Qualifikationen, sondern auch Sinnhaftigkeit, Verantwortung und die Möglichkeit, eigene Stärken einzubringen. Praxisnahe Erlebnisse, gemeinsame Aktivitäten und innovative Ausbildungsangebote können zusätzlich dazu beitragen, die Motivation und Identifikation mit dem Betrieb zu stärken.
Das Fazit des Digitalen Fachtags
Eine erfolgreiche Ausbildung lebt von gegenseitigem Verständnis, Wertschätzung und einer guten Kommunikation. Wenn Betriebe die Bedürfnisse junger Menschen ernst nehmen und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten bieten, bleibt die duale Ausbildung auch künftig ein attraktiver und erfolgreicher Einstieg ins Berufsleben.
